v1.0
.
(Geheimnisvolle Musik)
Michael Dornow
kann es bis heute nicht fassen:
Zu Beginn der Pandemie beschaffte er
für den Bund zwei Millionen Artikel:
Schutzausrüstung und Masken.
Doch bis heute
hat das zuständige Ministerium dafür
keinen Cent bezahlt.
Er fordert vom Ministerium
mehr als vier Millionen Euro.
Mir geht's saummäßig.
Ich sitze hier,
bin mit dem Rücken an der Wand,
hab siebenstellig Schulden.
Das ist auch für mich
eine Riesennummer.
Und mich kotzt es einfach an,
dass man da alleine gelassen wird.
(Angespannte Musik)
Dabei bräuchte er das Geld dringend
für die Zukunft seines Unternehmens.
(Angespannte Musik)
Auch sie hat ein Riesenproblem:
Handan Celebi.
Die Händlerin
hatte ebenfalls einen Vertrag
mit dem Bundesgesundheitsministerium,
beschaffte
für rund 87 Millionen Euro Masken.
Auf denen sitzt sie noch heute.
(Angespannte Musik)
Es wurde bestellt
und jetzt wird nicht abgeholt.
Wir reden hier nicht
von irgendeinem Kunden,
sondern wir reden hier
vom Bundesministerium.
(Angespannte Musik)
Für mehrere Milliarden Euro
bestellte sein Ministerium zu Beginn
der Pandemie Atemschutzmasken.
Und dabei kam es zu jeder Menge
fragwürdiger Geschäfte.
Dieser Film erzählt die Geschichte
von unglaublichen Deals und Pannen
rund um die Maskenbeschaffung
des Bundes.
Ich war selber
etwas überrascht gewesen,
dass so viele korrupte Abgeordnete
darunter sind,
die in der Pandemiezeit
die Hand aufgehalten haben.
(Angespannte Musik)
Wie konnte es
zu diesem Skandal kommen?
(Angespannte Musik)
(Ernste Musik)
(Unruhige Musik)
Flughafen Berlin, Mitte Februar.
Wir treffen einen Maskenhändler,
der gegen das
Bundesgesundheitsministerium klagt.
Heute ist Prozessauftakt.
(Reporterin:) Wie wichtig ist heute
der Termin für Sie?
- Sehr wichtig.
Warum?
- Es geht um sehr viel Geld.
Und es geht um die Gerechtigkeit.
(Unruhige Musik)
Joachim Lutz hat im vergangenen Jahr
eine große Menge Atemschutzmasken
an das Bundesgesundheitsministerium
geliefert.
Bezahlt worden aber
ist er dafür nicht.
Um wie viel Geld geht's da?
Bei mir geht's momentan
um 1,6 Millionen Euro.
Plus 900.000 Euro Schadensersatz.
Mhm. Und wie geht's Ihnen da selber?
Ich bin nicht aufgeregt,
aber ich bin sehr stark motiviert.
(Unruhige Musik)
Joachim Lutz ist einer
von fast 90 Händlern,
die inzwischen gegen das
Bundesgesundheitsministerium klagen.
Sie alle fordern Geld
für ihre Maskenlieferungen.
Es ist nicht mein erster Prozess,
nur mein erster Prozess gegen
die Bundesrepublik Deutschland.
(Motorengeräusch)
Dafür ist er heute
extra aus Offenburg angereist.
Eigentlich findet der Prozess gegen
das Bundesministerium für Gesundheit,
kurz BMG,
am Landgericht Bonn statt.
Wegen Corona jedoch
werden Joachim Lutz und seine Anwälte
von der Kanzlei aus
per Video-Stream zugeschaltet.
Was erhofft er sich
vom ersten Verhandlungstag?
Dass der Richter eine gewisse ...
richtungsweisende Entscheidung
trifft.
Wo er klipp und klar sagt: "BMG,
Leute, so geht's nicht weiter."
Bei den Prozessen
rund um die Maskenlieferungen
geht es nicht nur bei Joachim Lutz
um viel Geld,
sondern auch um viele
Hundert Millionen Euro Steuergelder.
Geld, das der Bund
möglicherweise noch bezahlen muss.
Während der Verhandlung selbst dürfen
wir nicht mit der Kamera dabei sein.
(Unruhige Musik)
Doch worum genau geht es?
Riesige Lagerhallen
in der Nähe von Düsseldorf.
Tausende Kartons mit mehreren
Millionen Atemschutzmasken,
die im vergangenen Jahr
dringend benötigt wurden.
Seit Monaten stehen sie hier herum.
Im September 2020 treffen wir hier
die Maskenhändlerin Handan Celebi
zum ersten Mal.
Auch sie hatte
für das Bundesgesundheitsministerium
Schutzmasken beschafft.
Doch Handan Celebi durfte ihre Masken
noch nicht mal abliefern.
Es wurde bestellt
und jetzt wird nicht abgeholt.
Es ist unglaublich
und unvorstellbar,
dass man mit so was
sich auseinandersetzen muss
und Zeit verstreicht.
Und keiner
nimmt eine Stellungnahme dazu
und Waren liegen herum
im Wert von Millionen.
Wir reden hier nicht
von irgendeinem Kunden,
sondern vom Bundesministerium.
(Unruhige Musik)
Die Unternehmerin aus Düsseldorf
handelt seit 25 Jahren mit Textilien,
hat gute Kontakte nach China.
Als das Gesundheitsministerium
im März 2020
die Lieferung von Atemschutzmasken
ausschreibt, nimmt sie daran teil.
Und: bestellt 25 Millionen Masken
in China.
Wir waren sehr euphorisch,
die Ware anliefern zu können,
weil im Vorfeld natürlich eine große
logistische Arbeit davor war.
Und wir waren auch froh drüber, dass
wir es endlich anliefern konnten.
(Unruhige Musik)
In dieses Lager
von "Fiege Logistik" in Biblis
sollte sie ihre Masken
bis zum 30. April 2020 abliefern.
(Unruhige Musik)
Das Unternehmen Fiege
sollte im Auftrag des Ministeriums
anfangs die Abwicklung der gesamten
Maskenbeschaffung übernehmen.
Gegen diese Auftragsvergabe gibt es
mittlerweile schwere Vorwürfe -
dazu später mehr.
Insgesamt 70 Lkws
hatte Handan Celebi organisiert.
Die sollten ihre 25 Millionen
Schutzmasken zu Fiege bringen.
Doch vor Ort dann
die böse Überraschung:
Nur ein einziger Lkw
wurde entladen.
(Unruhige Musik)
Dann hieß es, wir haben
keine Kapazitäten mehr frei.
Und dann mussten 69 Lkws
wieder zurück.
Und ... als ich die Information
erhalten hab,
bin ich komplett fassungslos
gewesen, am Boden zerstört.
(Düstere Musik)
Daraufhin musste sie erst mal selbst
ein Zwischenlager
für ihre Masken suchen.
Und dort liegen sie noch immer.
Masken für mehr als
87 Millionen Euro.
Die Rechnung dafür hat das
Ministerium bis heute nicht bezahlt.
(Düstere Musik)
Handan Celebi hat mittlerweile
einen Anwalt eingeschaltet.
Er soll dafür sorgen,
dass sie ihr Geld bekommt.
Der Anwalt betreut
noch andere Maskenlieferanten,
die ebenfalls auf ihr Geld vom
Bundesgesundheitsministerium warten.
Es scheint so zu sein, dass das
Ministerium selber überrascht war
über die Menge der angebotenen
und angelieferten Ware
und jetzt auf möglichst vielfältige
Art und Weise versucht,
Ware loszuwerden
oder nicht anzunehmen.
(Beklemmende Musik)
Warum sind sie und andere
nicht bezahlt worden?
Kann es sein,
dass das Bundesgesundheitsministerium
zu viele Masken bestellt hat?
Die Fälle, die wir betreuen,
umfassen ein Volumen
von etwa 380 Millionen Euro.
Wenn ich die dazunehme,
von denen ich definitiv weiß
über Kollegen,
und hochrechne,
was noch rechtshängig ist,
gehe ich
von über einer Milliarde Euro aus.
Mehr als eine Milliarde Euro?
Wie konnte es dazu kommen?
(Beklemmende Musik)
Im März 2020 waren Masken
in Deutschland Mangelware.
Und so bringt
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
ein sogenanntes Open-House-Verfahren
auf den Weg.
Ein eilig gestricktes
Vertragskonstrukt,
um möglichst rasch
Schutzausrüstung zu beschaffen.
Und so sah das Verfahren aus:
Die Vertragspartner mussten
mindestens 25.000 Masken
bis zum 30. April 2020 liefern.
Das Bundesgesundheitsministerium
garantierte,
alle vertragsgemäß gelieferten Masken
abzunehmen.
Für den Fixpreis von 4,50 Euro pro
FFP2-Maske und 60 Cent für OP-Masken.
Doch bis zum Stichtag konnten
offenbar viel mehr Händler liefern
als erwartet.
(Geheimnisvolle Musik)
Sie wundert sich
über das ganze Verfahren.
Vergaberechtsexpertin Ute Jasper
hat sich nicht nur detailliert
mit dem Vertrag beschäftigt,
sondern auch mit den Summen,
die das Bundesgesundheitsministerium
bereit war zu zahlen.
Die marktüblichen Preise waren
schon damals deutlich niedriger.
Das Open-House-Verfahren
ist rechtlich bedenklich,
denn die öffentliche Hand
muss ja mit Steuergeldern umgehen.
Wenn sie keinen Wettbewerb
durchführt,
verstößt sie gegen Vergaberecht,
Beihilferecht und Haushaltsrecht.
Das Open-House-Verfahren führt dazu,
dass ich völlig ungedeckelt
eine ungedeckelte Zahl von Masken
zu einem möglicherweise
Nicht-Marktpreis einkaufe.
Und genau das ist hier passiert.
Insofern sind da
erhebliche rechtliche Bedenken.
(Geheimnisvolle Musik)
Sie wird für uns
noch mehr Ungereimtheiten
rund um die Maskenbeschaffung
entdecken.
(Ernste Gitarrenmusik)
Brilon im Sauerland.
Auch Michael Dornow hat
beim Open-House-Verfahren mitgemacht
und sitzt wie Handan Celebi
auf seinen Masken.
(Ernste Musik)
Er sollte nicht nur Atemschutzmasken,
sondern auch Schutzkittel beschaffen.
Insgesamt zwei Millionen Artikel.
Michael Dornow hatte bereits gute
Kontakte zu chinesischen Produzenten,
besorgte
gleich zu Beginn der Pandemie
Masken aus China
für Kliniken aus der Region.
Unser zuständiger
Bundestagsabgeordneter hier im Kreis
hat mitbekommen,
dass wir Masken besorgen können,
und hat das entsprechend
an das BMG gemeldet.
Und wir bekamen dann
gleich am 27.3. eine Antwortmail.
Das ist jetzt sogar von Spahn hier
beziehungsweise vom BMG:
"Vielen Dank für Ihr Angebot,
die Bundesrepublik Deutschland bei
der Beschaffung zu unterstützen."
Da hat man uns
darauf hingewiesen,
dass das jetzt
in der Art des Open-House-Verfahrens
gemacht werden soll.
Daraus ist dann letztendlich
unser Open-House-Vertrag entstanden.
Doch es gab ein Problem:
Die Atemschutzmasken
hätte Michael Dornow
zwar fristgerecht liefern können,
bei den Schutzkitteln aber
gab es Transportschwierigkeiten.
Dies teilte er
dem Bundesgesundheitsministerium
rechtzeitig mit.
(Angespannte Musik)
Und tatsächlich zeigte sich das
Ministerium zuerst kompromissbereit.
Das Krasse ist,
dass ... mich ...
eine Führungsperson aus dem
Bundesgesundheitsministerium anruft
und mir sagt,
pass auf, wir regeln das.
Du steigst
aus diesem Open-House-Vertrag aus.
Dafür kriegst du von mir
den entsprechenden Vertrag,
der dann passend ist für das,
was du lieferst.
Und das sagt er nicht nur
am Telefon,
sondern er schreibt es mir
auch noch.
Ich zitiere: "Meine Bitte ist,
dass Sie erstens
der Generalzolldirektion mitteilen,
vom Liefervertrag Open House
zurückzutreten,
und zweitens dem Bund
ein Angebot zu den FFP2-Masken
mit Lieferfrist 30.4.
zu unterbreiten."
"Sie erhalten anschließend
einen Kaufvertragsentwurf des BMG."
Gezeichnet vom Leiter
der Zentralabteilung Europa
und Internationaler Leiter der
Taskforce Migration und Gesundheit.
Was habe ich bekommen?
Gar nichts habe ich bekommen.
Es ist so krass,
dass selbst die höchste
Führungsetage mich hier vorführt.
(Unbehagliche Musik)
Dabei schickte Michael Dornow
wie vereinbart das Angebot.
Doch dann herrschte Funkstille. Jetzt
sitzt ihm sein Kreditgeber im Nacken.
Mit einer Millionenforderung.
Da steht eine Summe gegen mich,
die man erst einmal aufbringen muss.
(Unbehagliche Musik)
Mir geht's saumäßig. Ich sitze hier,
bin mit dem Rücken an der Wand,
hab siebenstellig Schulden,
siebenstellig.
Das ist auch für mich
eine Riesennummer.
Mich kotzt es an,
dass man da alleine gelassen wird.
(Unheimliche Musik)
Das Bundesgesundheitsministerium
hat sich uns gegenüber
dazu nicht geäußert.
Der geplatzte Maskendeal hat fatale
Folgen für ihn und seine Familie.
Hier, direkt neben seiner Lagerhalle,
wollte er ein neues Sportgeschäft
bauen.
Die Finanzierung dafür
war gesichert.
Dann kam der Maskendeal, von dem er
sich einen dicken Gewinn erhoffte.
Jetzt steht er
kurz vor dem finanziellen Abgrund.
Der Traum: geplatzt.
(Bedrückte Musik)
Ich bin stinksauer.
Das wäre alles fertig.
Wir könnten hier produzieren
und wir hätten zehn Leute mehr
am Arbeiten bei uns.
Emotional kotzt mich
dieser ganze Scheiß hier an.
Wir haben das vor zwei Jahren
begonnen, hier zu planen,
und wir waren letztes Jahr
baureif quasi.
Und jetzt stehen wir hier, weil ...
ja, irgendjemand
im Gesundheitsministerium
uns hier so um die Fichte führt.
(Unruhige Musik)
Die Pläne für den Neubau
waren längst fertig.
(Unruhige Musik)
Langfristig -
so die Idee der Dornows -
sollte das Unternehmen
an die Söhne übergeben werden.
So, hier wär ja quasi die Wohnung
zu Ende. Oben drauf.
- Ja.
Hier außen ist dann der Weg rum.
Das ist genau das, was wir haben
wollten. Nur das Gebäude fehlt.
Wir sitzen hier oder stehen hier
in unserem neu geplanten Laden.
Hier unten wär jetzt
der Verkaufsraum.
Das wär sehr großzügig geplant.
Obendrüber hätten wir
wunderschöne Büros
mit einem nicht schlechten Ausblick
über den Dächern von Brilon.
Jetzt stehen wir hier
und gucken in die Röhre.
Wie schwer ist es für Sie?
Ja, wie schwer ist das für mich?
Ich denke, es ist für jeden,
letztendlich auch Familienvater,
der eine Planung hat,
der auch eine Lebensplanung hat,
schon etwas ...
ein Schlag ins Gesicht.
Und der war nicht vorhersehbar.
Das ist das Dumme.
Ich such die Fehler ständig,
ob ich hier geschlafen hab
oder nicht.
Ich seh aber hier die Fehler
auf einer ganz anderen Seite.
Ja, mir fehlen die Worte
für ein derartiges Verhalten
einer offiziellen Stelle
in Deutschland.
Auch er hat mittlerweile Klage
gegen das Ministerium eingereicht.
(Ernste Musik)
Verkaufen kann er
seine Masken nicht mehr.
Denn inzwischen
gelten schärfere Vorschriften.
Für die Familie
ein Riesenverlustgeschäft.
Es ist alles über den Haufen
geworfen worden.
Und, äh ...
man weiß nicht, wie's weitergeht.
Das ist noch diese Ungewissheit,
die macht einen ...
krank, ich weiß nicht,
was ich dazu sagen soll.
Man schwebt irgendwo,
und weiß gar nicht wo.
Also, es ist ...
Ja, Zukunft erst mal Stopp.
Die Dornows sind
auf die vertragsgemäße Bezahlung
ihrer Masken angewiesen.
Ohne das Geld kein Neubau.
(Nachdenkliche Musik)
Ein halbes Jahr nach unserem
ersten Besuch in Düsseldorf
treffen wir Handan Celebi
im März 2021 wieder.
Noch immer hat sie kein Geld
für ihre Masken bekommen.
Inzwischen hat auch sie
große finanzielle Probleme,
schuldet dem Vermieter der Lagerhalle
bereits 200.000 Euro.
Der Lagervermieter
macht mir so richtig Druck.
Äh, wegen den Zahlungen.
Die er mir schon
mehrfach aufgeschoben hat.
Und, ähm ...
das ist ziemlich ...
schwierig für mich.
Also ich muss jetzt
die Zahlungen machen,
und hoffe, dass er noch
ein bisschen Geduld mit mir hat.
Und das sind nicht
die einzigen Geldsorgen,
die Handan Celebi umtreiben.
Als sie den Zuschlag beim Open-House-
Verfahren bekommen hat,
nahm sie rund 20 Freunde und
ihr bekannte Händler mit ins Boot.
Die sollten sie bei
der Maskenbeschaffung unterstützen.
Jetzt warten alle auf ihren Anteil
von den insgesamt 87 Millionen Euro,
die sie vom Ministerium fordern.
Einer davon: Anass Kabbani.
Sein eigentlicher Job:
Er verleiht und verkauft Luxusautos,
Jet-Skis und Motorräder.
Doch seit der Corona-Pandemie
liegt das Geschäft brach.
Lackieren, umbauen,
dann ein bisschen luxuriös machen
mit Carbonteilen und so weiter.
Laut Maskenvertrag sollte eigentlich
innerhalb von sieben Tagen
bezahlt werden.
Klar, die beiden hofften
auf das schnelle Geld.
4,50 Euro pro FFP2-Maske,
ein prima Geschäft.
Also das Thema Maskenverkauf,
Maskendeal
war schon sehr polarisierend
nach außen hin.
Die einen behaupteten,
wir sind die Glücksritter,
die anderen behaupteten oder sagten,
oh, das tut uns aber leid.
Klar haben wir auch im Freundes-
oder Bekanntenkreis gehört,
die Kabbanis schaufeln jetzt Geld
mit dem Maskengeschäft.
Eigentlich haben wir
unser eigenes Grab geschaufelt.
Die 4,50 Euro
haben nicht wir gefordert,
sondern der Bund hat uns
diesen Preis angeboten.
Entsprechend dem sind wir
an diese Geschäfte drangekommen.
Und natürlich sind wir Unternehmer
und wollen daran profitieren.
Nicht dass wir sagen,
wir wollten daran Millionen
abschnappen,
sondern wir wollten helfen
und selbstverständlich
auch verdienen.
(Ernste Musik)
Doch der Staat hat nicht bezahlt.
Statt des erhofften schnellen Geldes
drohe den beiden
jetzt gar die Insolvenz.
Immerhin zeichnet sich
für Handan Celebi
eine mögliche Lösung für die hohen
Lagerkosten ihrer Masken ab.
(Abwartende Musik)
Also ein bisschen Hoffnung
hab ich jetzt.
Ich hab ein günstiges Lager
in der Oberlausitz in Sachsen
gefunden.
Ahm, es ist ... sehr weit weg.
Aber ich schau's mir trotzdem
in jedem Fall an.
Bei ihrem Streit
mit dem Bundesministerium
geht es um die Frage:
Hat sie rechtzeitig geliefert?
Handan Celebi sagt ja.
Das Ministerium bestreitet dies.
Jetzt wurden ihr
brisante Unterlagen zugespielt.
Die Dokumente, die ich hier
in der Hand halte,
spielen eine sehr große Rolle
in meinem Fall.
Ähm ...
Hier geht hervor,
dass Fiege zu dem Zeitpunkt,
als wir angeliefert haben,
gar nicht die Lagerkapazitäten
hatten.
Die Rolle von Fiege
ist hier wirklich fragwürdig.
Ähm,
sie bekommen den Auftrag,
für den Bund als Lagerist
zu funktionieren.
Im Wissen dessen, dass sie ...
gar keine Lagerkapazitäten haben.
(Ernste Musik)
Tatsächlich?
Welche Rolle spielt
das Logistikunternehmen Fiege
in dem ganzen Fall?
Und was wusste das
Bundesgesundheitsministerium davon?
Seinen Sitz hat das
Logistikunternehmen im Münsterland.
Dort liegt auch der Wahlkreis
von Jens Spahn.
Warum gingen fast alle
der 25 Millionen Masken
von Handan Celebi zurück?
Obwohl damals, im April 2020,
Maskennotstand in Deutschland
herrschte.
Fiege verweist uns an
das Bundesgesundheitsministerium.
Aber auch dort keine Antwort dazu.
Feststeht: Fiege bekam damals
vom Ministerium
lukrative Aufträge per Direktvergabe.
Also ohne Ausschreibung.
Besonders brisant:
Fiege durfte sich
nicht nur um die Logistik
bei den Maskenlieferungen kümmern,
sondern auch selbst
Masken beschaffen.
In Düsseldorf zeigen wir den Vertrag
Vergaberechtsexpertin Ute Jasper.
War die Direktvergabe an Fiege
rechtmäßig?
Die Direktvergabe an Fiege
ist rechtlich sehr problematisch.
Vor allem dann,
wenn sie länger läuft,
als nur für den ersten Notfall
erforderlich war.
In dem Vertrag ist keine
Laufzeitbegrenzung ersichtlich,
sondern der ist völlig unbegrenzt.
Wenn der auch tatsächlich
so ausgeführt wurde,
also ohne zeitliche Begrenzung,
dann besteht hier
ein rechtliches Problem.
Fiege verweist darauf,
der Vertrag
sei jederzeit kündbar gewesen.
Davon habe das Ministerium
Gebrauch gemacht.
Auch andere Großunternehmen
haben Maskenbeschaffungsaufträge
aus Berlin erhalten.
Doch es gibt
einen entscheidenden Unterschied.
Die Verträge, die ich gesehen habe,
sind unentgeltliche Verträge.
Da unterstützen also Lufthansa, BASF
das Bundesgesundheitsministerium
bei der Beschaffung von Masken.
Bei Fiege ist das anders.
Fiege ist praktisch Zwischenhändler,
beschafft also selbst Masken,
verkauft die weiter,
bekommt dafür einen Kaufpreis.
Wie hoch der Verdienst ist,
den Fiege daran hat,
kann ich nicht sagen,
aber es steht nicht unentgeltlich
in den Verträgen.
Feststeht: Fiege war
nicht nur damit beauftragt,
die Maskenlieferungen aus dem
Open-House-Verfahren abzuwickeln,
sondern stieg auch in das Geschäft
der Maskenbeschaffung ein.
Und zwar im ganz großen Stil.
Auf der Homepage der Firma
findet sich die Zahl
der von Fiege beschafften Masken.
Eine unglaubliche Menge.
Und das teilweise ohne Ausschreibung.
(Getragene Musik)
Bei Handan Celebi
ist das Vertrauen in den Staat
mittlerweile auf dem Nullpunkt.
Nicht zuletzt,
weil sich die Vorgänge rund
um die Maskenbeschaffung des Bundes
zu einer handfesten Affäre
entwickelt haben.
(Radio:) "Es ist ein mindestens
mittleres politisches Beben."
"Der CDU-Kreisvorsitzende
und Parlamentarier Nikolas Löbel
hat eine Viertelmillion Euro
kassiert
für Provisionen beim Verkauf von
chinesischen Corona-Schutzmasken."
Die Korruptionsaffären,
das ist noch mal ein ...
i-Tüpfelchen on top.
Also dass wir Lieferanten
nicht bezahlt werden,
das ist eine Sache,
aber dass auch noch die Politiker
an uns sich die Nase
golden verdient haben,
das ist ohne Worte.
Ich bin sprachlos,
was das angeht.
Ich lese das,
ich poste das in Facebook.
Und bin selber jedes Mal
erschüttert.
Zurück zum ersten Verhandlungstag,
Maskenlieferant Joachim Lutz
gegen das
Bundesgesundheitsministerium
am Bonner Landgericht.
In Berlin war er online zugeschaltet.
Er fordert insgesamt
2,5 Millionen Euro vom Ministerium.
Meine persönliche Einschätzung,
wo ich gehabt habe,
von meinem Rechtswissen
hatte mir heute
das wieder bestätigt, ja.
Dass wir im Prinzip
auf dem richtigen Weg sind
mit den Argumentationen,
und das Gericht ist auch
den Argumentationen gefolgt.
Zu der erhofften
direkten Konfrontation
mit dem Gesundheitsministerium
ist es heute jedoch nicht gekommen.
(Leises Gespräch)
Enttäuschend war,
muss ich sagen,
dass das BMG nicht erschienen ist.
- Ja.
Trotz einer persönlichen Ladung.
Sie sind hier
aus Offenbach gekommen.
Offenburg.
- Offenburg, 'tschuldigung.
Sagen Sie mir,
wie viel Kilometer es waren?
850.
Sie sind 850 Kilometer hergefahren,
und das BMG hat sich nicht in
eine Videokonferenz eingeschaltet.
Obwohl angeordnet worden ist,
dass es persönlich erscheint.
Das ist bedauerlich.
Das Ministerium behauptet,
dass die Masken von Joachim Lutz
mangelhaft seien.
Joachim Lutz bestreitet dies und
würde gerne das Gegenteil beweisen.
Doch dafür muss er erst einmal
an seine Ware herankommen.
Denn er hat die Masken
zwar abgeliefert,
aber weiß bis heute nicht,
wo sie gelandet sind.
Sein Anwalt hat mittlerweile
einen Hinweis bekommen,
wo die 300.000 Masken liegen könnten.
Wir haben den Eindruck,
der Bund weiß selbst nicht mehr,
wo die Ware ist.
Wir wissen, sie ist in Crailsheim.
Aber wo in der großen Halle
weiß wohl keiner mehr.
Da sind wir sehr gespannt,
denn wenn man das ein halbes Jahr
oder auch nur einen Monat
nicht sachgerecht, das heißt feucht,
das heißt durcheinander,
das heißt
durch Einwirkung gestaucht lagert,
dann können eben die schönen Vliese
nicht mehr die Sachen abhalten,
die sie abhalten sollen.
Ich werde mir diesbezüglich
andere Rechte noch vorbehalten,
um diese Masken prüfen zu können,
beziehungsweise
überprüfen zu können,
ob sie überhaupt noch existieren
in Crailsheim
oder schon lange
verteilt worden sind.
Liegen die Masken
tatsächlich in Crailsheim?
Und in welchem Zustand sind sie?
Joachim Lutz wird sich
schon bald selbst auf den Weg machen.
Er möchte beweisen, dass seine Masken
von guter Qualität sind.
(Ruhige Musik)
Denn genau das ist der Knackpunkt
im Streit zwischen Joachim Lutz
und dem Ministerium.
Einem Streit, bei dem dieser Mann
eine wichtige Rolle spielen könnte.
Roland Ballier aus Konstanz
ist Experte für Medizinprodukte.
In einigen der Maskenprozesse
hat ihn das Landgericht Bonn
als gerichtlichen Sachverständigen
bestellt.
Bei dieser Firma in Karlsruhe
prüft er im Auftrag des Gerichts
die Qualität der umstrittenen Masken.
Herr Ballier, ich hab hier ...
wir machen mal ...
eine No-Name-Maske aus China.
- Aha.
Könnt gut sein, dass die
aus dem Open-House-Verfahren ist.
Mit der fangen wir mal an, ja?
- Jawoll.
Bei seinen Tests hat Roland Ballier
Erstaunliches festgestellt.
Ein Großteil, oder fast alle Masken,
sind nicht verkehrsfähig.
Das heißt, wir haben
ein Riesendurcheinander
an Masken verschiedener Qualität.
Und man müsste die jetzt sortieren,
was ist verkehrsfähig,
was taugt was,
was ist nicht verkehrsfähig.
Sind auch die Masken von Händlern wie
Lutz, Celebi und Dornow betroffen?
Und wie konnte es dazu kommen?
In gutem Glauben,
etwas Gutes zu tun,
hat der Bund versucht,
Masken zu beschaffen,
so schnell und so viel wie möglich,
das war grundsätzlich auch korrekt.
Das Problem besteht
letztendlich darin,
dass er zugelassen hat,
dass Masken über diesen Kanal
nach Deutschland gekommen sind,
die den Vorschriften
nicht entsprochen haben.
Er hat das
in seiner Leistungsbeschreibung
nicht klar definiert.
Machen wir's zu.
Denn in seiner Leistungsbeschreibung
habe das Ministerium vergessen
zu vermerken,
dass die Masken auch den
EU-Vorschriften entsprechen müssen.
Das könnte nun auch für
die Steuerzahler teure Folgen haben.
(Ruhige Musik)
Es ist zu befürchten,
dass der Bund die Masken,
die im Rahmen des Open-House-
Verfahrens geliefert worden sind,
tatsächlich bezahlen muss,
obwohl sie zum Teil möglicherweise
nicht verkehrsfähig sind.
Für die Steuerzahler
könnte es also richtig teuer werden.
Insgesamt geht es
um mehr als eine Milliarde Euro.
(Angespannte Musik)
Joachim Lutz glaubt nicht,
dass seine Masken Mängel haben
und will beweisen,
dass er bislang zu Unrecht
nicht bezahlt wurde.
Doch bis heute weiß er nicht,
ob seine ausgelieferten Masken
bereits im Einsatz sind
oder irgendwo gelagert werden.
(Angespannte Musik)
Okay, ist nicht mehr weit von hier.
Okay, lass mich
gleich mal überraschen,
was ich da zu Gesicht bekomme.
Liegen die Masken
in einem Depot in Crailsheim?
(Angespannte Musik)
Joachim Lutz hat das
Logistikunternehmen angefragt,
aber keine Antwort bekommen.
Jetzt will er sich selbst
ein Bild vor Ort machen.
Mit Sicherheit wird es nicht einfach
werden, überhaupt hier reinzukommen.
Zu DB Schenker.
Ah ja,
jetzt müssen wir ja gleich da sein.
Da ist die Straße. Da hinten ist ja
schon das schöne große Gebäude.
(Angespannte Musik)
Das Lager ist streng gesichert.
Liegen seine Masken
hinter diesem Zaun?
Es ist, glaub ich, sehr schwierig,
man sieht es ja von außen,
alles voll mit Stacheldraht.
Schranken da davor.
Mal schauen, wie weit wir kommen.
Gerade als er versucht,
jemanden aus dem Lager anzurufen,
kommen zwei Mitarbeiter heraus.
Wer sind Sie überhaupt?
Was machen Sie hier?
Wer sind Sie?
Das tut doch nichts zur Sache.
Was machen Sie hier?
Sie haben Masken hier eingeliefert.
Masken.
Wir haben keine Masken hier.
Das Bundesministerium für Gesundheit
lagert hier Masken ein.
Also! Das sind meine Masken,
die nicht bezahlt sind.
Okay, wir brechen es ab.
Darf ich die sehen?
- Entschuldigung ...
Er fragte mich ja,
was wir hier machen.
Da hab ich ihm gesagt,
hier lagern Masken. Was, Masken?
Hier lagern keine Masken.
Doch, lagern Masken.
Dann sagte er,
vom Bundesministerium.
Dann sage ich, ja,
das sind meine Masken.
Dann hat er den Kürzeren gezogen
und ist abgedampft.
Joachim Lutz ist stinksauer.
Immerhin weiß er jetzt, dass hier
in Crailsheim Masken gelagert sind.
Aber sind es auch seine Masken?
Er will sich den Zugang
juristisch erstreiten.
(Nachdenkliche Musik)
Zurück nach Brilon im Sauerland.
Auch Michael Dornow hat noch immer
kein Geld vom Ministerium erhalten.
Hinzu kommt: Im Lockdown
ist sein Sportgeschäft geschlossen.
Und, wie läuft es?
- Oh, alles gut.
Ein bisschen Online-Handel -
mehr ist zurzeit nicht drin.
Und so sitzt Dornow nicht nur auf
einem gigantischen Berg von Masken,
sondern auch auf jeder Menge
Kleidung, die er kaum verkaufen kann.
Ja, hier hängen jetzt also
die Reste vom Winter.
Das Problem ist, das sind wirklich
hochwertige Sachen eigentlich,
und die sind dieses Jahr
gar nicht gegangen.
Die Zeit für eine Daune ist jetzt
natürlich auch irgendwie durch,
und das ist so das Problem,
was alle Händler haben im Moment.
Wir werden nach dieser Saison alle
jede Menge Altlasten haben.
Kurz vor seinem großen Geschäft
mit dem Ministerium -
zwei Millionen Artikel
Schutzausrüstung und Masken -
hatte er kräftig expandiert.
Doch dann musste er selbst lang-
jährige Mitarbeiterinnen entlassen.
Zwei davon besuchen ihn heute.
(Bewegte Musik)
Hallihallo!
- Hallöchen.
Hi, bist du fleißig?
Ja ... Leider mache ich euren Job
gerade hier.
Insgesamt zehn Mitarbeiterinnen
mussten im letzten Jahr gehen.
Ein Schritt,
der ihm bis heute wehtut.
Und sonst? Wie sieht es jobmäßig
aus? Habt ihr alle was gefunden?
Ja, ich arbeite jetzt bei der Post.
- Post ist doch erst einmal sicher.
Auf jeden Fall.
- Schön. Und du?
Ich habe Zeitvertrag bis Ende April,
dann schauen, was passiert.
Ich bin jetzt seit 35 Jahren
selbstständig,
und ich hab, glaube ich ... über-
haupt noch nie einen rausgeschmissen
und jetzt im letzten Jahr dann
zehn auf einen Schlag.
Das ist schon eine Nummer, da muss
man auch mental damit fertig werden.
Ehrlich. Ich bin letztlich schuld,
da ich mich drauf eingelassen habe,
dem Bundesgesundheitsminister
Masken zu besorgen.
Auch er fühlt sich vom Bundes-
gesundheitsministerium getäuscht.
Die Chancen, mittels eines Prozesses
doch noch an sein Geld zu kommen,
stehen laut seinen Anwälten
ganz gut.
(Unruhige Musik)
Was lief schief bei
der Maskenbeschaffung des Bundes?
Diese Frage beschäftigt längst auch
das politische Berlin.
Deutschland ist hineingestolpert
in die Krise.
Bei der Maskenbeschaffung
haben wir gesehen,
dass man zu spät gehandelt hat.
Dann kopflos gehandelt hat.
Was dazu geführt hat,
dass wir Rechtsstreitigkeiten haben
und dass der Steuerzahler
sehr stark belastet wurde.
Für die Opposition in Berlin
ein echter Skandal.
Sie fordert einen
Untersuchungsausschuss.
(Unruhige Musik)
Für das Open-House-Verfahren
soll vom Bundesgesundheitsministerium
lediglich ein Etat für Masken
und Schutzausrüstung
im Wert von 1,2 Milliarden
Euro vorgesehen gewesen sein.
Doch am Ende
erteilte das Ministerium Zuschläge
im Wert von sagenhaften
6,4 Milliarden Euro.
Und es wurden weitere Deals abge-
schlossen. Teils ohne Ausschreibung.
(Leise unruhige Musik)
Einer der bekanntesten ist das
Maskengeschäft mit der Firma Emix
mit Sitz im schweizerischen
Steuerparadies Zug.
Von diesem Gebäude aus zogen die zwei
jungen Geschäftsführer von Emix -
Jascha Rudolphi und Luca Steffen ―
die Strippen.
Und machten richtig Kasse.
Für die Emix-Masken
bezahlte das Ministerium
teilweise sogar noch höhere Preise
als für die ohnehin schon
überteuerten Open-House-Masken.
(Unruhige Musik)
Es geht da um Stückpreise von
circa neun Euro, die im Raum stehen.
Und das Gesundheitsministerium
verweigert wiederum seit Wochen
Antworten darauf,
zu welchem Preis in welcher Menge
sie Emix-Masken bestellt haben.
Und es gibt eine alte Bauernregel:
Wer nicht liefert,
der hat etwas zu verbergen.
Emix bekam ursprünglich Aufträge in
Höhe von fast einer Milliarde Euro,
die sich dann zwar noch etwas
reduzierten.
Aber: für das kleine Schweizer Unter-
nehmen war es ein echter Coup.
Eingefädelt hat das Geschäft
mit dem Bundesgesundheitsministerium
die Tochter des ehemaligen
CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler.
Emix - nur einer von mehreren
fragwürdigen Deals des Ministeriums.
Die Maskenbeschaffung
war ein großes Desaster.
Sie hat einige auch sehr windige
Personen reich gemacht.
Aber uns vor allem hier
in eine Situation gebracht,
wo viel Steuergeld verbrannt wurde,
wir viele schlechte Masken kauften.
Und verantwortlich ist dafür
der Gesundheitsminister Jens Spahn.
Und ich finde, er müsste
die Konsequenzen ziehen.
Und was sagt
das Bundesgesundheitsministerium
zu all den Vorwürfen?
Trotz mehrfacher Aufforderung
bekamen wir bis Redaktionsschluss
vom Ministerium keine direkte
Stellungnahme auf all unsere Fragen.
(Treibende Musik)
Offenburg. Hier hat Maskenhändler
Joachim Lutz seinen Firmensitz.
Auch er verfolgt seit Wochen
die Maskenaffäre in den Medien.
War selber etwas überrascht gewesen,
dass so viele korrupte Abgeordnete
darunter sind,
wo in der Pandemie-Zeit
sich die Hand aufgehalten haben.
Unsereiner muss im Prinzip
in Bonn klagen,
obwohl wir klipp und klare
Kaufverträge genauso gehabt haben
wie die anderen ebenfalls.
Und wir werden nicht bezahlt.
Das geht gar nicht.
(Treibende Musik)
Was ihm Hoffnung macht:
Der erste Maskenlieferant
hat inzwischen vor Gericht
Recht bekommen.
Doch in seinem Verfahren gibt es
immer noch keine Entscheidung.
Und er bekommt einfach keinen Zutritt
zu seinen Masken.
Mein Anwalt hat im Prinzip
alle Möglichkeiten geprüft,
keine Chance gefunden, irgendwo
durch eine gesetzliche Handhabe
in die Lagerhalle hineinzukommen
in Crailsheim.
Dafür haben wir eine Überraschung
für Joachim Lutz.
Uns wurden Bilder aus dem Lager
in Crailsheim zugespielt.
Dort sollen die Masken
von Joachim Lutz angeblich liegen.
(Reporter:) Haben Sie es sich so
da drin vorgestellt?
Riesengroßes Lager, alles voll mit
Masken. Und jeder braucht Masken.
Dass die nicht verteilt werden, ist
für mich gar nicht nachvollziehbar.
Muss ich nur den Kopf schütteln,
ehrlich, nur den Kopf schütteln.
Das ist Wahnsinn.
Und das sind Steuergelder.
Die Lagerhaltung kostet ja
ein Vermögen an Steuergeldern,
das ist Wahnsinn, das ist Wahnsinn,
wenn man sich das vorstellt.
Und? Erkennt er,
ob seine eigenen Masken dabei sind?
Auf dem einen Bild ja, kann man
beurteilen mit den flachen Kartons,
dass das OP-Masken sind.
Medizinische Masken dürften es sein,
aber die anderen Kartons
kann man nicht zuordnen.
Joachim Lutz hofft, dass auch er
vor Gericht Recht bekommt -
und der Bund die geforderten
2,5 Millionen Euro bezahlt.
Sein Vertrauen in die Bundesregierung
hat er jedoch leider längst verloren.
(Unruhige Musik)
Sachsen an der Grenze zu Tschechien.
Hierher ist Handan Celebi heute
aus Düsseldorf gefahren.
Endlich hat sie eine Alternative
für ihr teures Depot gefunden.
Mit ihrem Mann will sie nun schauen,
ob sie die 25 Millionen Masken,
die ihr das Bundesgesundheitsmini-
sterium bis heute nicht abnahm,
dort überhaupt unterbringen kann.
Es ist ein sehr günstiges Lager.
Und ich hoffe, dass es auch
entsprechend gut ausgestattet ist,
trocken ist und alles hat,
was ich brauche.
Handan Celebi muss dringend
ihre Kosten reduzieren.
Denn noch weiß sie nicht, wie lange
sie ihre Masken einlagern muss
oder ob das Ministerium überhaupt
auf ihre Forderung eingeht.
Und solange kann sie ihre Masken
auch nicht anderweitig verkaufen.
(Bewegte Musik)
Gleich trifft Handan Celebi
den Inhaber des Depots,
der ihr das Lager - eine ehemalige
Schuhfabrik - vermieten könnte.
(Bewegte Musik)
25 Millionen Masken im Gesamtwert
von 87 Millionen Euro -
hier könnten sie ihren Platz finden.
Die Technik in der Halle
passt schon mal.
Das bedeutet, ich kann 34 Paletten
in eine Boxengasse schieben
und entsprechend, nachdem der Con-
tainer den Standort verlassen hat,
werden die einzelnen Paletten dann
einem Regalplatz zugewiesen.
(Unruhige Musik)
Und? Wie findet sie das neue Lager?
Ich bin sehr zufrieden mit dem,
was ich hier gesehen habe.
Ich habe den Entschluss gefasst,
meine 15 Millionen FFP-
und zehn Millionen OP-Masken
hierhin zu bringen.
Ich bin ... begeistert von dem
Lagerplatz hier und freue mich schon
auf die Zusammenarbeit
mit Herrn Sommer.
Dennoch hat Handan Celebi
aus der Maskenbeschaffung
eine bittere Lektion gelernt.
Ich würde nicht ein zweites Mal
beim Open-House-Verfahren mitmachen.
Ganz im Gegenteil. Ich denke, dass
ganz viele Unternehmer so wie ich,
wenn sie hören, dass sie das Land
oder den Bund beliefern sollen,
das auf keinen Fall nach so einer
Sache hier noch mal machen werden.
Hiermit sind alle Unternehmer ...
haben ein Paradebeispiel vorliegen,
dass man sich nicht
auf den Staat verlassen kann.
Handan Celebi kann erst mal aufatmen:
das neue Depot ist viel günstiger.
Noch lieber aber wäre es ihr,
wenn der Bund ihr die Masken
endlich abnehmen und bezahlen würde.
Doch der Streit um ihre Masken dürfte
sich noch eine Weile hinziehen.
(Bedrückende Musik)
Eigentlich eine unglaubliche
Geschichte:
Da sucht man in der Anfangsphase
der Pandemie händeringend nach Masken
und dann lässt man Millionen
von Masken - so wie hier -
monatelang in Lagern herumliegen,
ohne, dass sie je zum Einsatz kommen.
Dabei sind Schutzmasken
nur begrenzt haltbar.
Nicht nur für viele Maskenhändler
steht fest:
Bei der Maskenbeschaffung des Bundes
wurden schwere handwerkliche Fehler
gemacht.
Fehler, die den Steuerzahler noch
teuer zu stehen kommen werden.
Vom politischen Vertrauensverlust
durch Provisionen
und mögliche Bestechung
ganz zu schweigen.
(Bewegte Musik)
SWR 2021