v1.0
Es ist nicht nur ein Licht
für Rafael Blumenstock.
Es ist die Erinnerung
an ein ungeklärtes Verbrechen,
die zahlreiche Menschen
zusammengerufen hat.
Der Wunsch nach Aufklärung
nach all diesen Jahren.
Am Ort der Tat,
am Rand des Ulmer Münsterplatzes.
Hier, wo noch immer
eine Bodenplatte
an Rafael Blumenstock erinnert.
Ich habe ihn gekannt,
immer wieder im Cafe Omar
ein Bier mit ihm getrunken.
Und er war ein wunderbarer,
fröhlicher Mensch.
Ich war damals
in der Sonderkommission,
die wir gebildet haben
aufgrund des Mordes.
Warum sind Sie heute Abend hier?
Weil es mich
einfach nicht loslässt.
Ich bin seit sieben Jahren
in Pension,
das ist einer der wenigen,
fast der einzige Mord,
den wir hier in Ulm
nicht aufklären konnten.
Und weil einfach diese Tat
nicht vergessen werden darf.
Rafael Blumenstock
trug gerne auch mal Frauenkleider
und schminkte sich.
Hat das jemand als unerträgliche
Provokation gesehen?
Was ist hier
vor dem Ulmer Münster geschehen
am Morgen des 4. November 1990,
einem Sonntag,
morgens zwischen fünf und sechs Uhr?
Das ist noch immer ein Rätsel.
Und noch immer hofft Nicolaus Held,
Kriminalinspektion eins
des Polizeipräsidiums in Ulm,
dieses Rätsel aufzulösen.
Was uns bekannt ist,
dass es wohl
zu einem Streit gekommen ist
zwischen Rafael Blumenstock
und einer kleineren Personengruppe,
wir gehen von zwei
oder drei Tätern aus,
und in diesem Zusammenhang
ist er zu Tode gekommen.
Durch stumpfe Gewalt,
durch Messerstiche.
21 Messerstiche und brutale Tritte,
um genau zu sein.
Die Täter verstümmelten auch
das Gesicht ihres Opfers.
Der Münsterplatz
sah damals anders aus als heute,
Anfang der 90er Jahre
war er noch ein Parkplatz.
Die bisher einzige
bekannte Tatzeugin war eine Frau,
die hier in einem Wohnmobil
übernachtete und Schreie hörte,
aber keine direkte Beobachtung
dazu schildern konnte.
Ein Mitarbeiter der Stadtreinigung
fand den Leichnam
eine Stunde später
zwischen Blumenkübeln,
entsetzlich zugerichtet.
Man konnte aber DNA-fähiges Material
feststellen,
das man dann im Jahr 2000
auf Beschluss des Amtsgerichts Ulm
analysieren konnte,
und in der Zwischenzeit
wurden zirka 200 Personen
verglichen mit diesem Spurenbild.
Es gab allerdings
noch keinen Täter,
den wir dadurch ermitteln konnten.
Rafael Blumenstock
war am letzten Abend seines Lebens
bei einem Konzert
des amerikanischen Sängers
Percy Sledge in einem nahegelegenen
Ulmer Nachtclub.
Diese Aufnahmen des Sängers
entstanden wenige Tage später
bei einem anderen Auftritt in Mainz.
# When a man loves a woman.
Ob Rafael Blumenstock hier
schon auf seine Mörder traf
oder später zufällig
am Münsterplatz,
das wissen bislang nur die Täter.
Die Polizei richtete sofort
eine Sonderkommission ein,
die allen Vermutungen,
den Hinweisen
und den wenigen Spuren nachging.
Vermutet wurde sowohl
eine Beziehungstat
zwischen Homosexuellen als auch
eine aus dem Ruder gelaufene
Abreibung als auch
eine Tat von Rechtsradikalen.
Diese Vermutung
favorisiert ein loser Zusammenschluss
verschiedener Gruppen in Ulm,
die der Mordfall Blumenstock
weiter umtreibt.
Es wurde Raub ausgeschlossen,
und auch andere Verbrechen
wurden ausgeschlossen.
Und es wurden auch am Tatort
Spuren von Rechten gefunden.
Also Springerstiefel-Abdrücke,
die laut dem damaligen Ermittler
auf Skinheads,
rechte Skinheads, hinwiesen,
und Tritte ins Gesicht.
Die Polizei habe zwar damals
in alle Richtungen ermittelt.
Jetzt nach 30 Jahren
solle sie die Tat
aber endlich
als rechtsradikal einstufen.
Der Kriminalbeamte
widerspricht dem.
Die Polizei
berichtet normalerweise über Fakten,
wir wollen eigentlich
keine Spekulationen
an die Öffentlichkeit bringen.
Und wir ermitteln eigentlich
immer in alle Richtungen.
Wir können auch jetzt
noch nichts ausschließen
oder nur
in eine bestimmte Richtung gehen.
Es gibt noch immer Hoffnung,
dass die Täter von damals
ihr Gewissen erleichtern
und sich offenbaren.
Auch Mitwisser der Tat.
Ihr Schweigen von 1990
wäre längst verjährt.
Im Gegensatz
zum Mord an Rafael Blumenstock.
Denn diese Akte
wird nicht geschlossen.